Firmenchronik

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Entstehung

Um 1888 war es: „Das Wandern ist des Müllers Lust!“ So sang man früher bei der Geselligkeit, im „Hougarten“ und auf der Straße. Jeder junge Mann der ein ordentliches Handwerk erlernen wollte ging einige Jahre auf die Wanderschaft um in der Fremde seine Ausbildung zu machen, um sich das nötige Können und Wissen für den Bruf zu erwerben. Heute sagt man dazu Fremdlehre!

So kam auch ein junger Bursche, der ehrbare Handwerksgeselle Josef Kellner, aus Aiterhofen in der Nähe von Straubing, von der bayerischen Kornkammer in unsere herrliche schöne Voralpenheimat. Im Gasthof zur Post da kehrte er ein, legte seinen Rucksack ab und machte ordentlich Mittag. Mit dem guten Essen kam er mit der Wirtin zu sprechen, mit der Frau Wieser.

Der gefiel der junge Mann mit dem freien Blick. Als er durchblicken ließ, dass er ein gelernter Braubursche sei und vom Bier machen was verstehe rief sie den Braumeister der den jungen Josef Kellner einstellte. Es gefiel ihm in Wiesmühl, mit Lust und Freude war er bei der Arbeit. Ja er war bald nicht mehr zu entbehren, überall rief man nach dem „Seppen“, der sich bei der Bierherstellung bestens auskannte.

Als der Braumeister ausschied wurde Josef Kellner sein Nachfolger. Sechzehn Jahre lang versah er mit größter Gewissenhaftigkeit dieses wichtige Amt. Aus gesundheitlichen Gründen musste er dann diesen Beruf aufgeben. Einige Jahre machte er dann den Baumeister in der Landwirtschaft.

Der Bahnbau der sogenannten „Tauernbahn“ brachte neue Möglichkeiten. Die meisten Häuser waren bis dorthin mit Holzschindeln gedeckt. Durch die Bahnlinie war die Möglichkeit gegeben Hartschindeln transportieren zu können. Diese neue Möglichkeit nahm Herr Kellner auf. Er pachtete von Herrn Wieser in Garching nahe der Bahn ein Grundstück und errichtete dort ein Lager für Dachplatten. 1908 hatte man nach zweijähriger Bauzeit die Bahnlinie eingeweiht. Es war eine große Festlichkeit und alle Leute bewunderten die dampfende und fauchende Lokomotive mit den vielen Wägen hinten dran. Schließlich aber gewöhnte man sich an die Eisenbahn und nahm sie als Parktisches Transportmittel hin.

Die Bauern holten mit ihren Pferdewägen die Dachplatten ab. Nach und nach entwickelte sich ein gutes Geschäft. Die ganze Gegend bis hinauf nach Waldhausen – Peterskirchen – Taufkirchen, bezog die Schindeln vom Kellner. Dann 1910 wurde die Strecke nach Trostberg eröffnet. Wieder große Feierlichkeiten. Herr Kellner verlegte seinen Plattenhandel nach Wiesmühl, denn das Geschäft in Garching ging mehr und mehr in die Hand von Herrn Egger über.

Veränderungen

Mit der Bahnstrecke Garching – Trostberg war ein neuer Verkehrsweg erschlossen. Herr Kellner setzte alle seine Bemühungen daran in Wiesmühl einen Lagerschuppen neben der Bahn errichten zu dürfen. Er hatte die Absicht auch von Wiesmühl aus seinen Dachplattenhandel fortzusetzen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang dies auch. Das Geschäft dehnte sich langsam aber stetig aus. Grundlage dafür war reelles Geschäftsgehbahren, unendlicher Fleiß, freundliches und zuvorkommendes Wesen den Bauern gegenüber.

Da die Lagerung der Dachplatten ruhig im freien erfolgen konnte, bestand anfangs nicht die Notwendigkeit eines Lagerschuppens. Die Zeitumstände aber brachten es mit sich, dass sich der Handel mit Kunstdünger durchsetzte und langsam einführte. Zu dessen Lagerung war die Erstellung einer Lagerhalle nötig. In den Jahren 1911/12 wurde das Bauvorhaben ausgeführt. Plötzlich aber wurde Bau behördlich gesperrt. Man konnte nichts anders tun als den begonnen Neubau stehen zu lassen.
Nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen wurde die Weiterführung des Neubaus zugesagt.

Inzwischen hatte sich dem Unternehmen auch Herr Johann Steiglechner, Besitzer des sogenannten „Pächmannhofes“ in Wiesmühl als Teilhaber angeschlossen. (Gründungsvertrag des Unternehmens Kellner & Steiglechner vom 01.01.1910. Erster Eintrag im Handelregister 1922.)

Herr Johann Steiglechner war ein Bruder zur Gattin Herrn Kellners, Frau Maria Kellner, geb. Steiglechner, Bründltochter von Höbering. Herr Johann Steiglechner ein Bründlsohn hatte mit seiner Gattin, Frau Maria Steiglechner, geborene Brunnertochter von Obergarching, das Pächmannanwesen gekauft. Der Zusammenschluss der beiden befreundeten war ein recht erfolgreicher und fruchtbarer. Allein der Kunstdüngerhandel ließ sich recht schwierig an. Die Bauern hatten wenig Vertrauen zu der neuen Sache. Eine richtige Aufklärung durch das Landwirtschaftsamt, so wie es heute freilich ist, gab es noch nicht. Man musste die verschiedensten Düngemittel selbst ausprobieren und an Hand der gezeigten Erfolge erst ließ sich der eine und andere Bewegen auch von dem neuen „Zeug“ etwas einzukaufen. Zwar kamen die ersten Landwirtschafts- oder „Winterschüler“ aus den Fachschulen und allmählich wandte der eine oder der andere die Lehren Albrecht Thaers, Justus von Liebing oder Max Schönleutners an, so gut man es verstand, so ging doch alles langsam.

Die ersten eingeführten Handelsdünger waren neben Kalk, vor allem ein Abfallprodukt der Sodafabriken – Gips !
Zwar rühmte man den Gips über den Schellenkönig, getaugt hat er aber nichts, im Gegenteil, auf den schweren Böden führte er zu Verdichtung.
Als nächstes kam dann das Kalirohsalz, der Kainit zur Einführung. Dieser wurde lose gehandelt und kostete der Zentner 90 Pfennig bis eine Mark und zwanzig Pfennig. Das „Düngesalz“ wie man es nannte war grau-weiß und hatte auch meist schlechte Auswirkung auf die ohnehin saueren Böden. Der Gips wurde in Säcken gehandelt und konnte sich lange behaupten.
Das Thomasmehl führte sich sehr langsam und zögernd ein. Es war teuer, aber es währe gut für die saueren Böden gewesen. Es folgte die Einführung von stickstoffhaltigen Düngemitteln wie Chilesalpeter gefolgt von Ammoniak. Als Verpackungsmittel wurde der Jutesack verwendet. Wegen der augenfälligen Wirkung der Salpeter und Ammoniakdüngemittel verbreiteten sich diese gut.

Der erste Weltkrieg hemmte die beginnende Entwicklung der Landwirtschaft Der Handelsdünger hatte sich eingeführt, wenn auch im bescheiden Rahmen. Fortschrittlicheres Wirtschaften, Beispiele, Aufklärung der landwirtschaftlichen Organisationen und Vereine, wobei sich die Raiffeisenvereine sehr verdient gemacht hatten, an die Bauern von Bauern herangetragen, wurde durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges unterbrochen. Nach der ersten anfänglichen Begeisterung wurden Zwangsmaßnahmen zur Sicherung der Ernährung eingeführt. Das Getreide wurde restlos erfasst.
Das Einzugsgebiet des Wiesmühler Lagerhauses reichte über Peterskirchen, Emertsham und Tacherting hinaus. Der Kommunalverband Traunstein war die vorgesetzte amtliche Erfassungsbehörde. Alle Lebensmittel unterstanden der Bewirtschaftung und amtlichen Verteilung.

Die schwierige Geschäftsführung der damaligen Zeit oblag Herrn Kellner sen. Herr Steiglechner war Soldat und kämpfte an der Westfront in Frankreich. Der Sohn von Herrn Kellner sen., ebenfalls ein Josef Kellner kämpfte an der Ostfront im Raume von Lemberg und Galizien. Beide kehrten glücklich wieder in die Heimat und ihrer dort harrenden Aufgaben zurück. Das Chaos des Kriegsausgangs wirkte sich auch nachteilig auf den Warenhandel aus. Die Produktion war überall rückläufig. Wegen einem zunehmenden Geldüberhang machte sich der Mangel an genügender Ware immer mehr fühlbar. Zwar ging der Geschäftsgang etwas vorwärts, aber nicht im dem Umfang der zunehmenden Industrialisierung.

1920 übernahm Josef Kellner jun. die stelle seines Vaters im Unternehmen Kellner & Steiglechner, während sich der sen. nur noch der Landwirtschaft widmete. Die Inflation und die Weltwirtschaftskrise überstand der Betrieb verhältnismäßig gut, denn es waren fast keine Waren gehortet worden und der Kundenkreis doch schon ziemlich fest. Nach dieser Zeit ging es mit dem Betrieb schnell aufwärts, so dass eine Vergrößerung des bestehenden Lagerschuppens notwendig wurde.

Die Zeiten änderten sich, Staatsregierungen wechselten, die Bauern und Landhändler machten harte Jahre mit. Es kamen neue Parolen von „Blut und Boden“, „Erzeugungsschlacht“ und vielen andern neuen. Ohne Zweifel, es wurde damals sehr viel für die zurückgebliebene Landwirtschaft getan. Die Technik hielt Einzug auf den Höfen. Wirtschaftberater und Musterhöfe, Ortsbauernführer und Aufklärung sorgten dafür, dass das deutsche Volk unabhängig vom Ausland in der Erzeugung von Lebensmittel wurde. Das hatte einen ungeheuren Aufschwung der Erzeugung, aber auch des Verbrauchs aller nur denkbaren landwirtschaftlichen Artikel zur Folge. Auch der Landhandel blühte auf ! Traktoren und Mähbindemäher florierten die Erzeugung von Getreide. Aber auch die Viehwirtschaft, die Milchablieferung war damals erst eingeführt worden, kam in Schwung. Es wurde viel, viel mehr Kunstdünger gestreut, Kraftfutter gekauft, besseres und verschiedenes Saatgut benötigt, Baumaterialien verbraucht und dergleichen mehr. Der Handel der Firma Kellner & Steiglechner stellte sich auf die modernen Erfordernissen ein und erweiterte seine Geschäftsbeziehungen.

Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges brachte wieder Zwangswirtschaft. Getreide wurde wie alle Lebensmittel vom Staat kontrolliert. Jeder Betrieb hatte ein vorgeschriebenes Ablieferungssoll. Bei guter Bewirtschaftung konnte man dieses erfüllen. Auch der Handelsdünger wurde gegen Bezugsmarken ausgegeben. Jeder Bauer trachtete möglichst viele davon zu erhalten. Maßgebend dafür war der Verbrauch, wie man ihn 1938 gehabt hatte. Für bestimmte Sonderkulturen, wie Raps und Gemüse gab zu zusätzliche. Gegen Kriegsende wurde die feindliche Luftwaffe immer aktiver.
Sie begannen sogar mir der Bombardierung kleinerer Bahnhöfe. Ganz schlimm war es im April 1945, als Mühldorf und Garching stark angegriffen wurden. Man gab schon nichts mehr auf den Bahnhof in Wiesmühl und alle Leute flüchteten möglichst weit weg vom Bahnhof. Zum Glück ging alles gut vorüber für Wiesmühl.

Nachdem 1946 der Firmenmitbegründer Johann Steiglechner sen. verstorben war gingen die Anteile der Firma an den Sohn, ebenfalls ein Johann Steiglechner, der als Feldwebel an den Schlachten des Zweiten Weltkriegs teilnahm, über. Das Geschäft ging gut, die Zeit ließ aber keine großen Ausdehnungen und Erweiterungen zu.
Erst nach der Währungsreform sollte eine große Änderung eintreten. Während früher das Getreide auf dem Hof gelagert wurde, lieferte man es nun direkt nach dem Hofdrusch, der noch mit Dreschmaschinen getätigt wurde, an die Lagerhäuser.